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Hexen und Hexenverfolgung

Zu den dunklen Seiten des Mittelalters gehörten die Inquisition und die Hexenverfolgung. Menschen, vor allem Frauen wurde vorgeworfen, mit dem Teufel und "schwarzer Magie" Umgang zu pflegen. Sie wurden in großer Zahl zum Tode verurteilt und mussten qualvoll sterben. Oft beruhten diese Anschuldigungen auf Unwissenheit und Aberglauben, bisweilen auch auf Neid und Verleumdung.

Die Hexenkeller auf der Alten Burg Penzlin

Sie entstanden Anfang des 16. Jahrhunderts. Als Erbauer wird Berend Maltzan auf Burg Wolde bei Stavenhagen genannt, der dort von 1474 bis zu seinem Tode 1525 residierte. Im Pfandbesitz der Maltzans war Penzlin bereits 1414. Nach vielen Streitigkeiten, besonders mit den Herzögen von Werle (Schwerin), erhielt Berend im Juli 1501 Schloß, Stadt und Vogtei Penzlin als erbliches Lehen. Und bereits vier Wochen später erwarb er durch Ankauf „de Stadt, Schlott und tho Behörungen tho Pentzlin" mit allen Rechten und Pflichten, die vorher die Werleschen Herzöge Magnus und Balthasar besaßen.

Fast 19 m² Grundfläche mißt der 6,80 m unter der Erde liegende Große Hexenkeller. Dem Eingang gegenüber an der Ostseite fällt dem Besucher, neben den bereits von Piper beschriebenen drei Nischen, eine weitere, wesentlich größere Nische an der Ostwand auf. Sie ist breiter, tiefer und höher als die übrigen im Raum. Diese Nische könnte an Stelle eines früheren Ausgangs aus dem Burgverließ eingerichtet worden sein. Dafür spricht u.a. auch die Tatsache, daß sie tiefer ist als die Wandstärke und damit die Wand nach außen überragt.
Der aufmerksame Besucher entdeckt an der Nordwand des Kellers noch Reste ehemaliger Haken, die etwa 50 cm über dem Boden angebracht wurden. Hier wurden die Gefangenen angekettet, wenn alle Nischenplätze belegt waren. Wahrscheinlich durften sie hier ein Strohlager nutzen.
Eine bogenförmige türlose Öffnung in der Nordwand des großen Kellers führt über vier schmale Steinstufen in den Kleinen Hexenkeller, der etwa 1,00 m höher 1iegt. An der Nord- und Ostwand bietet dieser nur etwa 12 m² große Raum Platz für drei weitere, aber kleinere Nischen. Während das Prinzip des Ankettens über Hals, Brust, Arme und Beine auch hier angewendet wurde, gab es für die Gefangenen eine geringe Erleichterung. Hier gab es keine Türen vor den Nischen und in der Nordost-Ecke befand sich im Tonnengewölbe sogar ein kleiner Luftschacht, der einige Meter durch das dicke Mauerwerk steil nach oben führt und bei günstigem Wetter den Himmel sichtbar werden läßt. Durch diese Luftröhre fanden Fledermäuse und andere Tiere den Weg in die Kellerräume. Auch gegenwärtig halten hier recht seltene Arten von Fledermäusen ihren Winterschlaf.

In der Nordwand des kleinen Kellers führt eine in der unteren Hälfte geschwungene enge Steintreppe durch das Mauerwerk. Sie endet in einer (heute zugemauerten) Öffnung an der Nordwest-Ecke des Quergebäudes in etwa 3,00 m Höhe vom Burggrabenniveau. Das mit Feldsteinen durchsetzte abgebrochene Mauerwerk bestätigt den Standort des Bergfrieds an dieser Stelle in früherer Zeit. Auch aus dieser Sicht, der Verbindung des Bergfriedes mit dem Burgverließ, sollte die Nische an der Ostseite des Großen Hexenkellers als Fluchtweg gesehen werden.
Das Burgverließ, dazu gehören die beiden Hexenkeller im zweiten Kellergeschoß und ihre beiden Zugänge: die Steintreppe vom Bergfried und die große Treppe aus dem ersten Kellergeschoß, ist in seiner historischen Architektur wohl einzigartig im norddeutschen, wenn nicht sogar im nordeuropäischen Raum.

Bis zum Ende der Hexenverfolgungen starben allein in Mecklenburg bis zu 2000 Menschen auf dem Scheiterhaufen. Der letzte mecklenburgische Hexenprozess fand im Jahr 1726 auf der Burg Stargard statt. Noch heute weisen Flurnamen wie "Hexenberge" und "Blocksberge" auf die traurige Zeit der Hexenverfolgung hin.

Einen eindrucksvollen Blick in die Zeit der Hexenverfolgung bietet die Ausstellung in der Alten Burg Penzlin mit ihren geschichtlich bedeutenden Hexenverliesen. In diesen unterirdischen Verliesen wurden angebliche Hexen in engen Nischen unter unmenschlichen Bedingungen eingekerkert. Das Museum, das sich hauptsächlich mit dem Thema "Magie und Hexenverfolgungen in Mecklenburg-Vorpommern" beschäftigt, zeigt neben den Verlieskellern auch eine Folterkammer mit Folterinstrumenten und Prangergeräten.

Quelle: "Die Alte Burg in Penzlin und die Hexenverfolgung", Siegfried Heuer, Penzlin, 1998

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Andrea Rudolph
Wissenschaftliche Museumsleiterin
Alte Burg 1
17217 Penzlin
Telefon:  +49 3962 210 494
Fax:  +49 3962 210 135
E-Mail:  alte.burg@penzlin.de
Web:  http://alte-burg.amt-penzliner-land.de/
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