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06.04.2016

Geheilt! Penzlin wartet, bis die Ärztin kommt

Zu wenig Doktoren in der Stadt. Auch die Kassen-ärztliche Vereinigung konnte Penzlin nicht helfen, gegen die Unterversorgung in der hausärztlichen Betreuung anzusteuern. Nun hat sich eine Internistin gefunden, die schon gespannt ist auf die Patienten in Punschendörp.

Wiebke Schwandner und Maik Kotzerke kümmern sich ab nächster Woche um die Patienten. Foto: Monika Jacobs © Monika Jacobs

Penzlin. Aufatmen in Penzlin. Für die Praxis von Allgemeinmediziner Dr. Jürgen Schlicht in der Großen Straße 4 konnte ein Nachfolger gefunden werden. Schon am kommenden Montag, 11. April, werden hier wieder die Türen für die Patienten geöffnet. Das geschäftige Treiben in den Räumlichkeiten blieb den Punschendörpern in den vergangenen Wochen nicht verborgen und so suchten sie schon das Gespräch. 
Dabei kam dem einen oder anderen das Gesicht des jungen Mannes durchaus bekannt vor. „Ich war in den Ferien oft bei meinen Großeltern Klara und Max Stoll in Penzlin und habe hier tolle Dinge erlebt“, klärt der gebürtige Neubrandenburger Maik Kotzerke auf, der von Hause aus Rettungsassistent ist. Er wird sozusagen als „Sprechstundenhilfe“ seine Frau Wiebke Schwandner unterstützen. Die Internistin wagt in Penzlin einen Neuanfang, macht sich als Medizinerin selbstständig. 
„Ich stamme aus Wilhelmshaven, habe in Lübeck Medizin studiert. Die Liebe lockte mich nach Mecklenburg“, erzählt die 37-Jährige, die ihren Mann während der Arbeit kennenlernte. In Neubrandenburg fand die Familie mit den beiden Söhnen ein schönes Zuhause im Brodaer Holz und Wiebke Schwandner nahm ihre Arbeit beim medizinischen Dienst in der Viertorestadt auf.
Es war wohl eher ein Zufall, dass die Ärztin von der freien Praxis in Penzlin erfuhr. Sich beruflich auf eigene Beine zu stellen, war für sie schon immer ein Wunsch. Und so fasste sie zum Ende des vergangenen Jahres den Entschluss, die Nachfolge in der Hausarztpraxis der Kleinstadt anzutreten. „Dass das nichts vor April werden würde, das war klar. Ich hatte meine Kündigungsfrist zu berücksichtigen und benötigte die Zulassung von der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern“, blickt sie zurück. Schließlich habe alles gut geklappt und die junge Ärztin erhielt viel Unterstützung. „Penzlins Bürgermeister Sven Flechner hat sich mächtig ins Zeug gelegt, damit unser Vorhaben Wirklichkeit werden konnte“, lobt Maik Kotzerke das Engagement der Kommune. 
Schließlich hatte diese seit Frühjahr vergangenen Jahres mit einem Ärzteengpass zu tun. Ein Mediziner aus Neubrandenburg übernahm aushilfsweise eine Notsprechstunde. Die Situation blieb angespannt, da die Kapazitätsgrenze bei den anderen Ärzten längst erreicht war. Nicht nur die 4250 Einwohner der Stadt Penzlin, sondern auch die Bürger aus dem Amtsbereich waren davon betroffen. Das soll sich nun ändern. 
„Momentan wird die Computertechnik installiert. So wird es möglich, sich vom alten Karteikartensystem zu trennen. Malermäßig haben wir die Räumlichkeiten schon neu hergerichtet“, erzählt Maik Kotzerke. Ein Existenzgründerseminar steht in dieser Woche noch als Weiterbildung für die Ärztin an. Fuß gefasst haben in Penzlin aber schon die Söhne der Familie, die sich in der Awo-Kita wohl fühlen. 
Ein bisschen aufgeregt ist Wiebke Schwandner schon vor dem ersten Tag in ihrer eigenen Praxis. Gilt es doch, schnell das Vertrauen der Patienten zu gewinnen. Dass sie und ihr Mann in Penzlin schon erwartet werden, sei ein schönes Gefühl. Übrigens wird Daniela Möhring, die bisherige Sprechstundenhilfe der Praxis in der Großen Straße 4, das Team mit verstärken. 
Kontakt zur Autorin 
m.jacobs@nordkurier.de

06.04.2016 
Quelle: Nordkurier