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16.05.2018

Walther Preik: ein persönlicher Nachruf aus Penzlin

Andrea Rudolph, wissenschaftliche Leiterin der Burg Penzlin und des Johann-Heinrich-Voß-Literaturhauses Penzlin, erinnert sich an ihre Begegnungen mit dem Künstler Walther Preik, der am Freitag im Alter von 86 Jahren in Waren verstorben ist.

Waren/Penzlin. Nicht zufällig war Walther Preiks erste Auftragsarbeit nach dem Studium ein Porträt Richard Wossidlos für die Stadt Waren. „Ich habe Wossidlos Geschichten gesammelt, sie gaben mir viele Impulse“, äußerte Walther Preik 2010 mir gegenüber in seiner Werkstatt. Wir begutachteten den Entwurf seines dreibeinigen Hasen, der heute auf dem Brunnenrand im Hof des Penzliner Museums sitzt. Auch später bleibt ihm der Volkskundler Wossidlo nahe, der sein Ohr an den einfachen Menschen hatte.
Weitere Anregungen schöpfte Preik aus der Musik, einem guten Gespräch. Er schätzte den legendären griechischen Tierfabeldichter Äsop und Lessings Fabeln. Als Bildhauer wollte er seine Kunst für sich sprechen lassen. „In die Kunst bringt jeder seine eigene Erfahrung ein“, sagt er mir und verwies auf die Wölfin, die in Neubrandenburg vor der Konzertkirche ihren Platz fand. Für eine kriegs- und leiderprobte Generation bringt sie Bedeutungen hervor, die von ihrem Anblick unablösbar sind: Verlust, Hunger, Heimatlosigkeit und Zukunftsungewissheit. Nicht der Kunst als Schmuck galt Preiks Interesse, sondern den mit ihr erreichbaren Einsichten.
Zu Walther Preiks Arbeiten zählt auch der Spökenbrunnen am Penzliner Markt. Er zeigt Fabelwesen wie Drachen, Hasen, Mäuse, den mit der Hexenfahrt verbundene Eber, Vögel und Pferde. Ein Hirsch mit riesigem Geweih weist einen Drachenkörper und Flügel auf. Eine geflügelte Frau mit Eselskörper hält verschmitzt die Hand vor den Mund und erinnert so an das Hexentreiben, das zu Walpurgis auf der Alten Burg zu erleben ist. Am unteren Ende der Stele sind Krebsschwänze eingearbeitet, aus denen in den warmen Monaten erfrischendes Nass sprudelt: mal als Rinnsal, mal tröpfchenweise, unkontrolliert eben, geradezu spökenhaft.
In Penzlin steht heute auch das Spätwerk von Walther Preik. Wertvolle Arbeiten prägen den Burghof des Museums. Die Stadt Penzlin hatte hierfür in den vergangenen Jahren Preik als d e n mecklenburgischen Tierplastiker beauftragt, der sich eine regionale wie überregionale Position auf dem Gebiet der Interpretation von Tierkörper und Tierverhalten erarbeiten konnte.
Von mir während seiner Entwurfsarbeiten befragt, welchem Material er den Vorzug gibt, äußerte Preik: „Wenn ich große Gedanken manifestieren möchte, dann ist Granit der richtige Stein.“ Er lobt Bronze: „Für mich ist Bronze wie die Violine unter den Instrumenten, weil sich mit diesem Stoff viele Dinge detailliert darstellen lassen.“
Für Penzlin schuf er seine letzte große Arbeit – in Bronze: den Homer des Johann Heinrich Voß. Voß erzählte 1793 eine Traum-Geschichte. Homer habe seine Hand ergriffen und ihn mit der Übersetzung der „Ilias“ beauftragt. Im Gegeneinanderhalten der verschiedenen Homer-Bildnisse, allesamt römische Kopien, aufbewahrt in europäischen Nationalmuseen, und im Blick auf Johann Heinrich Voß schuf Preik den Homer des Johann Heinrich Voß. Preiks Vossischer Homer lädt künftig als Empfangsfigur Interessenten in das Johann-Heinrich-Voß-Literaturhaus ein.Wir würdigen in Walther Preik einen Künstler, dessen Reputation weit über das Land hinausreicht und dessen Werk und Spätwerk ein Anziehungspunkt für die Bewohner Penzlins wie für die vielen Gäste der Stadt bleiben wird.

16.05.2018 
Quelle: Nordkurier 

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