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10.02.2018

Stolpersteine erinnern an jüdische Familie

Mit vier kleinen Messingtafeln wollen die Penzliner der letzten jüdischen Familie ihrer Stadt gedenken. Außerdem wird Geld für Reparaturarbeiten auf dem jüdischen Friedhof bereitgestellt.

Penzlin. Es gibt keine Fotos mehr von der Synagoge in Penzlin, die sich einst in der Hirtenstraße 17-19 befand und 1791 geweiht wurde. Darum wird sie auf einer Gedenktafel nur textlich erwähnt. „In Abstimmung mit Pastor Hartmuth Reincke und Stadtarchivarin Susan Lambrecht wurde die Aufschrift noch einmal konkretisiert. Fotos stellte Wolfgang Fuhrmann aus Alt Rehse zur Verfügung”, ist von Verwaltungsmitarbeiterin Susanne Schwarz zu erfahren. Somit könne die Anfertigung dieser Gedenktafel in Auftrag gegeben werden. Sie ist Bestandteil eines Projektes zum jüdischen Gedenken in Penzlin.
Am 20. März um 16.30 Uhr wird es in diesem Rahmen in der Bahnhofstraße eine besondere Veranstaltung geben. Denn hier befand sich das Haus von Herta und Georg Pinkus, der letzten jüdischen Familie in Penzlin. Beide wurden 1942 deportiert und kamen in Auschwitz ums Leben. Tochter Hannelore erlitt ein ähnliches Schicksal in Lodz. Sie lebte zum Zeitpunkt ihrer Deportation im Hamburger Paulinenstift. Nur Sohn Werner überlebte aufgrund seiner Flucht nach England.
Einst gab es drei jüdische Schulen in Penzlin
In Gedenken an diese Penzliner Familie werden vom Künstler Gunter Demnig vier Stolpersteine in das Pflaster in der Bahnhofstraße eingearbeitet. Seit 1992 trägt er mit seiner Aktion zum neuen Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus bei und wird bei dieser Gedenkfeier mit vor Ort sein. Bereits im Vorjahr brachte der Schul- und Kulturausschuss der Stadtvertretung unter Leitung von Dagmar Kaselitz (SPD/Linke) diese Aktion auf den Weg.
Dabei unterstützt die Landeszentrale für Politische Bildung das Penzliner Vorhaben mit 5000 Euro. Neben der Gedenktafel und den vier kleinen Messingplatten soll ein Teil des Geldes auch für Instandsetzungs- und Pflegearbeiten auf dem Jüdischen Friedhof genutzt werden. So muss das Eingangstor ausgebessert werden und Grabsteine wieder aufgerichtet werden. Der Friedhof wurde um 1750 angelegt. Die letzte Beisetzung gab es am 16. November 1923. Nach Recherchen von Stadtarchivarin Susan Lambrecht gehen die ersten Hinweise auf eine jüdische Bevölkerung in Penzlin auf das 13. Jahrhundert zurück. Die jüdische Gemeinde zählte 1828 an die 17 Familien mit 88 Personen. 1835 existierten drei jüdische Privatschulen in der Stadt. Nur noch 19 Mitglieder wurden 1871 für die Gemeinde aufgelistet. Aufgrund weiterer Abwanderungen wurde sie schließlich 1917 aufgelöst. Die Synagoge brannte mit zahlreichen anderen Häusern nach dem Einmarsch der sowjetischen Armeee 1945 nieder.
Kontakt zur Autorin
m.jacobs@nordkurier.de

10.02.2018 
Quelle: Nordkurier 

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