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05.05.2018

Sagenhaft: „Saga“ kommt wieder

Vor 45 Jahren wurde die Band aus Penzlin gegründet. Nun erlebt sie ihr Comeback. In ihren Hochzeiten kam es nicht nur auf musikalische Fertigkeiten, sondern auch auf Schlagfertigkeit an.

Penzlin. Wenn Männer etwas vereinbaren, wird angerufen. Auch heute, in Zeiten des Internets. Keine SMS, keine Whatsapp, keine Mail. Es gilt das gesprochene Wort. So war es auch, als Berthold Rohs Anfang Januar Gerd Brummund in Woggersin anrief. „Buddy“, wie Rohs gerufen wird, ist einer der Mitorganisatoren des Doppeljubiläums der „Motorradfreunde Penzlin“ und der Gruppe „Mr. Tambourine“, das am 12. Mai in der Badeanstalt in Penzlin gefeiert wird.
Rohs, der seit Jahren bei „Mr. Tambourine“ Gitarre spielt, kennt sich aus in der hiesigen Rock-Szene. So hatte er es auch noch irgendwie in Erinnerung, dass die legendäre Band „Saga“ vor 45 Jahren erstmals auf der Bühne stand! Auch wenn das entsprechende Dokument – die „Pappe“ – noch gesucht wird, am 12. Mai 1973 soll die Gruppe ihre Prüfung im Saal der Dorfgaststätte von Krukow bei Penzlin absolviert haben.
Von den gestrengen Prüfern des Kreiskulturhauses Waren wurde der Band die sogenannte Spielerlaubnis für die Grundstufe erteilt. Damit war der Weg frei für öffentliche Auftritte samt Gage. 4,50 Mark pro Stunde und Bandmitglied gab es entsprechend der Einstufung. Der „Kapellenleiter“ bekam einen Zuschlag, der bei „Saga“ aufgeteilt wurde, weil es nie einen Chef gab.

Das Quatschen gehört zu den Proben dazu
Uwe Engel (Gitarre, Gesang), Armin Stenzel (Bass), Gerd Brummund („Summi“) am Schlagzeug und Gunther Grothkopp (Gitarre) – so die Namen der Gründungsmitglieder. Auch wenn sich die Vier nie ganz aus den Augen verloren haben, zum Spielen standen sie schon über vier Jahrzehnte nicht mehr gemeinsam auf der Bühne. Angesichts des bemerkenswerten Jubiläums wäre es doch aber eine gute Gelegenheit, so Rohs am Telefon zu Brummund, bei der Penzliner Bandnacht wieder gemeinsam aufzutreten.
Brummund war anfangs überrascht und etwas unsicher. Die Reaktion der anderen Band-Mitglieder beschreibt er mit „ziemlich begeistert“. Stenzel machte Nägel mit Köpfen: Er bestellte unverzüglich einen Bass samt Verstärker. Wir machen das, konnte Brummund Rohs wenig später ausrichten.
Mittlerweile hat „Saga“ mehrfach geprobt. Die Übungsstunden liefen meist nach dem gleichen Schema ab: „Wir machen eine Stunde Musik und quatschen anschließend drei Stunden“, sagt Brummund. Auch wenn „Saga“ 1973 nur wenige Monate bis zum Herbst und dem Armeedienst von zwei Mitgliedern existierte, könnten die Anekdoten der 70er Jahre locker ein Buch füllen. Bei der Einstufung musste „Saga“ natürlich ein Ost-Lied spielen – „Anna Maria“ der „Roten Gitarren“. Als Comeback-Titel ist der Song allerdings nicht vorgesehen. Ohnehin war der Anteil der Ost-Titel zu DDR-Zeiten genau geregelt, 60 Prozent mussten es bei Live-Auftritten mindestens sein. Es gab aber Tricks, diese Quote zu umgehen, erinnert sich Brummund.
Ein Auto besaß die Band nicht. Die Veranstalter hatten für den Transport der Gruppe zu sorgen. Entsprechend abenteuerlich sahen die Gefährte oft aus. Nicht schlecht staunten die Band-Mitglieder beispielsweise, als ein Traktor mit offenem Hänger vorfuhr, um sie ins Internat nach Groß Vielen abzuholen. Auf dem Transportmittel gab es lediglich einen kleinen Holzverschlag, der den Instrumenten notdürftig Schutz bot.
Brummund ist der Einzige aus der Band, der eine Profi-Laufbahn als Musiker einschlug. Nach der Wende hat er sich als Willi Freibier mit Volksmusik und Schlager einen Namen im Norden gemacht. Seine Liebe gehört bis heute dem Rock, aktuell ist er regelmäßig mit einem Programm in Hamburg aber immer mal wieder auch in MV zu erleben. „Saga“ war für ihn wie die meisten anderen Band-Mitglieder die erste Erfahrung in einer Rock-Gruppe. „Ich wurde als Gitarrist engagiert, bin dann aber als Schlagzeuger eingesprungen.“

Boxer hat seine Kollegen öfter rausgehauen
Der „blödeste Job“ in einer Band, sagt Brummund. Nach den Auftritten hatte er ewig mit dem Zusammenpacken zu tun, während die anderen Band-Mitglieder längst das erste Bier getrunken und mit den Dorfschönheiten angebändelt hatten, was regelmäßig zu Auseinandersetzungen mit der männlichen Dorfjugend geführt hat. Im Extremfall flogen die Fäuste. Das Gute für „Saga“: Stenzel war Boxer und konnte sich wehren. „Armin hat uns öfter das Leben gerettet“, ist Brummund überzeugt.
Neben ein, zwei eigenen Titeln gehörten berühmte Stücke von CCR, den Rolling Stones, Christie und Black Sabbath zum Repertoire von „Saga“. Einiges davon wird die Band beim Comeback in Penzlin spielen. Brummund wird nach 25 Jahren auch wieder seinen Platz am Schlagzeug einnehmen.
„Saga“ war und ist nicht die einzige Band mit Wurzeln in Penzlin. In den 80er und 90er Jahren gab es mit neun Bands eine lebendige Szene in der Kleinstadt, sagt „Buddy“ Rohs. Daraus kann er noch heute schöpfen. Neben „Saga“ sind bei der Band-Nacht zu erleben: „Ü Fifty Sound“, „Henry B. and The Honeylikers“, „Detzenband“, „Mad House“ sowie „Mr. Tambourine“. Eines muss noch geklärt werden: Wer hat den Namen abgekupfert? „Saga“ aus Penzlin von „Saga“ aus Kanada? „Das ist doch keine Frage“, stellt Uwe Engel klar. Die kanadischen Kollegen haben sich erst vier Jahre nach dem Original gefunden. Im Übrigen sei „Saga“ aus Kanada „nur unwesentlich erfolgreicher als wir“ gewesen.
Wer sich mit den jung gebliebenen Saga-Rockern zwischen 62 und 65 Jahren an die guten alten Zeiten erinnern will, sollte die Band-Nacht nicht verpassen. Geplant ist nur dieser Comeback-Auftritt. Vorerst. In fünf Jahren steht das 50. Bühnenjubiläum an. Dann wären die Saga-Rocker immer noch deutlich jünger als die unverwüstlichen alten Herren von den Stones.
Die „Motorradfreunde Penzlin“ und die Oldie-Band „Mr. Tambourine“ laden am 12. Mai zum 20-jährigen Doppeljubiläum ein. Gegen 19 Uhr beginnt die Band-Nacht.

05.05.2018 
Quelle: Nordkurier 

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