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14.04.2018

Süße Träume aus Penzlin

Annett Girrleit hat sich als Cakedesignerin in der Region einen Namen gemacht. Beinahe wäre der süße Traum allerdings geplatzt.

Penzlin. „Es gab noch keinen Tag, an dem ich mit schlechter Laune hier hergekommen bin“, sagt Annett Girrleit. Ein süßlicher Duft hängt in den Räumen, die sie ihren „Laden“ nennt. Es ist ganz still. Nicht einmal die vielen Kühlschränke geben ein kleines Brummen von sich. Annett Girrleit sitzt an dem Arbeitstisch ihrer Kreativwerkstatt. Sie trägt einen lila Kittel, der sie ein bisschen wie eine Arzthelferin aussehen lässt. Auch die Werkzeuge, mit denen sie hantiert: Pinselchen, Messer, Scheren und lauter spitzes Zeug, lassen nicht vermuten, was hier in der nächsten Stunde entstehen wird.
Heute feiert Eiven aus Trollenhagen seinen 4. Geburtstag und Annett Girrleit wird diesen Tag versüßen und für leuchtende Augen sorgen. Denn sie kann etwas, was weit und breit nur ganz wenige, vielleicht sogar niemand in der Region so gut beherrscht. Annett Girrleit zaubert Torten. „Annett‘s Tortenzauber“ heißt darum ihre Firma und auch ihre Facebookseite, über die sie Bilder von ihren süßen Kunstwerken in die Welt schickt und Kunden gewinnt.
Die gebürtige Penzlinerin ist keine Bäckerin. Ihr Handwerk heißt Cakedesign. Jede Torte ist einzigartig. Hinter jeder Torte steckt eine Geschichte. Die Geschichte von „Annett‘s Tortenzauber“ begann vor fünf Jahren mit einem Motivkuchen für die Einschulungsfeier des Kindes einer Freundin. Es sollte ein rotes Auto werden wie in dem Animationsfilm „Cars“. „Damals war ich stolz auf die Torte. Jetzt kann ich das viel besser“, sagt Annett Girrleit. Sie hat sich nach und nach durch Youtube-Videos und Blogs viel Wissen angeeignet und Torten für Freunde gemacht. Dann ergab sich die Chance, günstige Räume zu bekommen. „Freunde von mir haben dieses Haus gekauft und mich ermutigt, mich selbstständig zu machen. Ohne sie wäre das hier nie möglich gewesen“, sagt Annett Girrleit.
Sie legte los, gestaltet eine Torte nach der anderen, postete ihre Kreationen auf Facebook und baute sich eine Existenz auf. Angemeldet war sie als Künstlerin. Das ging einige Zeit gut. Beinahe wäre der Zauber dann aber vorbei gewesen. Die Handwerkskammer meldete sich bei ihr. Annett Girrleit ist gelernte Verkäuferin, keine Bäckerin. Und das darf in Deutschland nicht sein. Wer Annett Girrleit aber kennt, weiß, dass Aufgeben keine Option ist. Erst recht nicht, wenn der Traumberuf auf dem Spiel steht.

Ausgebucht mit Beginn der Hochzeitssaison
Sie hat eine Ausnahmebewilligung beantragt und so lange gekämpft, bis sie in Rostock bei einer Prüfung zeigen durfte, dass sie das Handwerk beherrscht und auch über theoretisches Wissen verfügt. „Mir war schlecht vor Angst. Alles stand auf dem Spiel“, erzählt sie mit Stolz und Ärger in der Stimme. Wie immer hat sie sich durchgebissen und den Prüfern bewiesen, was ihre Kunden längst wussten.
Kürzlich bekam die Unternehmerin sogar einen Anruf aus Paris. Eine Mecklenburgerin, die es in die Stadt der Liebe verschlagen hat, wollte in Groß Plasten heiraten und bekam die Empfehlung, eine Torte bei Annett Girrleit in Auftrag zu geben. „Sie brachte Macarons aus Paris mit, weil es die hier in keiner guten Qualität gibt“, erzählt Annett Girrleit. Dreiviertel aller Torten, die sie gestaltet, sind für Hochzeitspaare. Aber auch einheimische Unternehmen sind auf sie aufmerksam geworden. Mal wird der Chef verabschiedet oder ein Fitnessstudio feiert fünfjähriges Jubiläum. „In der Gestaltung gibt es kaum Grenzen. Das ist das, was mich so fasziniert“, sagt Annett Girrleit. Obwohl bei ihren Torten viel Geduld und Fingerspitzengefühl gefragt ist, konnte sie noch nie etwas mit Basteln anfangen.
„Ich bin auch nicht der Typ, der sich die Nägel aufwendig gestaltet. Da würde ich ausrasten“, sagt sie geradeaus. Die Mecklenburgerin ist wie ein rosa Gummistiefel. Praktisch, geradlinig, zuverlässig, liebenswert und ein bisschen bling-bling. Ihre Tochter heißt Kate wie die englische Prinzessin. „Sie ist aber ein richtiges Dorfkind, das gern draußen spielt und in Pfützen springt“, erzählt sie. Die junge Mutter ist Jahrgang 1984. Die Hälfte der ehemaligen Klassenkameraden hat die Region nach der Schule ganz schnell verlassen. Für Annett Girrleit und ihren Mann sei das nie eine Option gewesen.
Das Telefon klingelt. Eine Kundin möchte ihren Eltern zum 30. Hochzeitstag eine Torte schenken. Die beiden haben sich in einer Molkerei kennengelernt, wie Annett Girrleit am Telefon erfährt. „Kommen Sie am besten vorbei und wir überlegen uns gemeinsam was“, sagt die Cakedesignerin. Der April ist noch verhältnismäßig ruhig. Wenn die Hochzeitssaison im Mai losgeht, ist sie an bestimmten Tagen schnell ausgebucht. Denn mehr als sieben Torten pro Tag sind nicht machbar. Für Hochzeitstorten werden die Blumen sogar schon eine Woche vorher liebevoll gefertigt, damit sie aushärten können. Individualität ist das Erfolgsrezept der Unternehmerin.
Die Feuerwehrtorte für Eiven nimmt langsam Form an. Buchstaben sind ausgeschnitten, Räder und Fenster geformt, alles aus der Zuckermasse Fondant. Die färbt sich die Cakedesignerin so ein, wie sie es braucht, um jegliche Kundenwünsche von Arielle der Meerjungfrau bis hin zu Elsa der Eiskönigin zu erfüllen. Dann ist die Torte fertig. Sie bekommt sogar ein blaues Warnlicht aufgesetzt. Ein Foto für die sozialen Medien. Vielleicht rollt bald die nächste süße Feuerwehr aus.
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i.nehls@nordkurier.de

14.04.2018 
Quelle: Nordkurier 

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