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21.06.2018

Protest in Penzlin: Muss Oma Lotti ihren Garten abgeben?

Penzlin. An der Scheune von Lotti Köckert steht eine Bank. Wer sich dort hinsetzt, hat einen wundervollen Blick auf den liebevoll gepflegten und gut bewirtschafteten Garten der 80-jährigen Penzlinerin. Und auf die Kälberkoppel, ein idyllisches Panorama. „Da kommen sogar welche aus der Stadt her, um die Aussicht zu genießen“, sagt Lotti Köckert stolz und winkt dann gleich traurig ab.
„Da werden wir wohl nichts machen können“, sagt sie kopfschüttelnd zu ihrem Gartennachbarn Hartmut Kindermann. Der ist optimistisch, gibt sich kämpferisch. „Wir kümmern uns“, verspricht Kindermann. Der stellvertretende Vorsitzende des Vereins der Gartenfreunde Punschendörp 1957 möchte die Stadtvertreter auf die Seite der Gärtner ziehen. Am kommenden Dienstag gibt es bei der Stadtvertretung im öffentlichen Teil den Tagesordnungspunkt „Bebauungsplan Nr. 18 der Stadt Penzlin Wohngebiet an der Kälberkoppel“.
Stimmen die Stadtvertreter den Plänen der Verwaltung zu, dann müssen 47 Gärten dran glauben. 26 Gärten mit insgesamt 10825 Quadratmetern Gartenland am Ziegelkamp und 21 Gärten mit 12 815 Quadratmetern Gartenland in der zweiten Reihe hinter der Warener Chaussee. Zu denen gehören auch die Gärten von Hartmut Kindermann und Lotti Köckert. „Das sind so genannte Hausgärten, die an die Siedler verpachtet wurden, die 1933 ihre Häuser gebaut haben“, sagt Hartmut Kindermann. Viel Arbeit, viel Fleiß und auch Geld hat Kindermann in seinen Garten gesteckt. Der Penzliner wohnt in einem Block in der Neuen Straße. Der Garten ist ein Rückzugsort für Kindermann.

Bisher erschlossene Baugebiete ausgeschöpft
Stimmung gegen die Stadt wolle er nicht machen, aber die Stimme erheben. „Das sind wir als Vorstand unseren Mitgliedern schuldig“, sagt Kindermann und betont, dass er einerseits städtisches Wachstum durch neue Wohngebiete und Zuzug begrüßt. Andererseits ginge mit dem Beschluss ein Stück Gartenkultur und Tradition verloren. „Viele Gartenbesitzer sind schon Rentner. Die sind bodenständig und hängen an ihren Gärten. Die sind ein Lebensinhalt und ein Wiedereinrichten eines Gartens an anderer Stelle ist für viele zu beschwerlich“, sagt Kindermann.
Der Gartenverein hat seine Sorgen in einem offenen Brief an die Stadtvertreter, den Bürgermeister und den Stadtpräsidenten dargestellt und Unterschriftenlisten in der Stadt verteilt.
Von Bürgermeister Sven Flechner gab es auf Nordkurier-Anfrage bereits eine Reaktion. Die Ausweisung von Baulandflächen sei dringend geboten, so Flechner. In Penzlin gebe es aufgrund einer deutlich gestiegenen Nachfrage in den vergangenen drei Jahren kaum noch Wohnbaulandflächen für Eigenheime. „Die bisher erschlossenen Baugebiete sind weitestgehend ausgeschöpft. Bereits seit Jahren bemühen wir uns, neue Baugebiete auszuweisen“, sagt Flechner.
In diesem Jahr werden laut Flechner acht Bauplätze im Ortsteil Werder ausgewiesen und durch private Vorhabenträger in den nächsten Wochen erschlossen. Die Ausweisung von weiteren Baulandflächen wurde geprüft. „Unsere drei Wunschstandorte scheiterten an der Flächenverfügbarkeit. Die Zeit drängt. Die Ausweisung und Erschließung von Bauland bedarf einer mehrjährigen Vorbereitungszeit“, erklärt Flechner.

Angelegenheit ist noch nicht spruchreif
Beim Wohngebiet an der Kälberkoppel handelt es sich größtenteils um Flächen, die sich im Eigentum der Stadt Penzlin befinden. Ein großer Teil der Flächen ist an den Kleingartenverein verpachtet worden. „Bei einem positiven Abschluss des Planverfahrens wären diese Flächen aus dem bestehenden Pachtvertrag mit dem Kleingartenverein unter Einhaltung der Fristen herauszukündigen“, sagt Flechner.
Für die Bebauung des Ziegelkamps hingegen gäbe es noch keine konkreten Beschlüsse seitens der Stadtvertretung und noch keine Befassung in den Ausschüssen. „Insofern sind Dinge dazu noch gar nicht spruchreif und auch nicht Gegenstand der jetzigen Beratungen“, stellt Flechner klar. Aufatmen können die Gartenfreunde aber auch dort höchstens kurz. Denn wenn die Nachfrage nach Bauland weiter anhält, sei eine Bebauung am Ziegelkamp in Zukunft nicht ausgeschlossen.

21.06.2018 
Quelle: Nordkurier 

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