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02.03.2017

Knastwärter: Angeklagter hat von Folter-Tod erzählt

Der Prozess gegen den 51-Jährigen aus Alt Rehse, nach dessen Misshandlungen Sarah H. starb, verzögert sich. Das Verfahren am Landgericht wurde am Mittwoch vertagt, weil eine wichtige Zeugin nicht da war. Doch der einst schweigsame Angeklagte war redselig.

Alt Rehse. Die Fußfesseln rasseln als Axel-Ingo G. den Gerichtssaal betritt. In gewohnter öffentlicher Pose mit einer Akte vorm Gesicht begegnet er auch am dritten Prozesstag den Kameras und Zuschauerblicken. Doch eine Frau lässt ihn nicht aus den Augen. Dr. Peggi Grüneberg verfolgt jede Geste, jede Regung und jedes Wort des Angeklagten, der ihr am Landgericht Neubrandenburg gegenüber sitzt.
Der Angeklagte verwehrt der psychiatrischen Gutachterin nach wie vor ein Gespräch. Lehnt alles ab, was dem Gericht ein Bild seines mentalen Zustands geben könnte. „Es ist für mich sehr schwer, eine brauchbare Diagnose zu stellen, wenn ich nicht viele Grundlagen dafür habe“, sagte die Forensikerin. Möglicherweise könnten Aussagen der Noch-Ehefrau und der Halbschwester des Angeklagten helfen. Aber im Momente sei alles vage für sie.
Das bleibt es zum Auftakt der Zeugenaussagen auch für Richter Klaus Kabisch. Die geladene Notärztin war nicht erschienen. Sie hatte dem Angeklagten am Tag der Verhaftung Beruhigungsmittel gegeben. Die Medizinerin sollte das Gericht aufklären, ob die Medikamente den Mann derart beeinflusst haben könnten, dass sein Geständnis bei der ersten Vernehmung nach der Festnahme möglicherweise nichtig ist.
Doch ein weiterer Zeuge ist anwesend, ein Gefängniswärter. Er berichtet von einem bizarren Geständnis des Angeklagten ihm gegenüber: „Er hat mir in der Justizvollzugsanstalt erzählt, er habe sie gefesselt und gepeitscht“, berichtet der Wächter. Erst habe er gedacht, dass er sich nun quasi einen „erotischen Unfall“ anhören müsse, aber rasch gemerkt, dass mehr dahinter stecke. Als Sarah H. in Ohnmacht fiel, will der Angeklagte sie einmal wiederbelebt haben, zitiert ihn der Zeuge aus dem Gespräch in der U-Haft. Bei dem eher zufälligen Gespräch im Gefängnis-Keller bei der Kleiderausgabe sei Axel-Ingo G. auch einmal in Tränen ausgebrochen. „Alle sind gegen mich. Sie war beim BND, ich werde bespitzelt“, habe er gesagt und das kam dem Zeugen dann langsam eigenartig vor. Ähnliches hatten am zweiten Prozesstag zwei Polizisten vor Gericht erklärt.
Dem 51-jährigen Computerfachmann aus Alt Rehse wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Er soll im Juni 2016 seine Lebensgefährtin Sarah H. gefesselt und misshandelt haben. Dabei soll er die 32 Jahre alte Frau nackt ans Bett gefesselt, sie mit einer Peitsche geschlagen und ihr weder Essen noch Trinken gegeben haben. Sie starb. Ihre stark verweste Leiche wurde zwei Monate nach der Tat gefunden.
Im Prozess schweigt er eisern zu den Vorwürfen, hat aber am Mittwoch regen Redebedarf. So fordert er zu Beginn der Verhandlung erneut die Abberufung seines Verteidigers, weil das Vertrauensverhältnis gestört sei nachdem der Anwalt einen Journalisten für Filmaufnahmen in sein Haus gelassen hätte. Er erklärt schließlich noch Richter Klaus Kabisch für befangen. Der Richter hatte eine Strafanzeige von Axel-Ingo G. gegen seinen Verteidiger als offensichtlich unbegründet zurück gewiesen. Die Kammer lehnt beide Anträge ab.
In einem nach einem Plädoyer für sich selbst klingenden mehrminütigen Vortrag fordert er zudem, aus der U-Haft entlassen zu werden und kritisiert formelle Fehler der Ermittlungen und die Haftbedingungen.
Der Prozess wird am 17. März, 9 Uhr, am Landgericht Neubrandenburg fortgesetzt. Dann soll auch das Urteil fallen.
Kontakt zur Autorin
c.goels@nordkurier.de

02.03.2017 
Quelle: Nordkurier 

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