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28.09.2018

Feuerwehren im Ausnahmezustand

103 Einsatzkräfte bekämpfen den Brand von 3000 Strohballen. Bis heute wird noch Brandwache gehalten. Die Straßensperrung nach Bredenfelde könnte gegen 10 Uhr aufgehoben sein. Der Besitzer der Ballen geht von Brandstiftung aus.

Groß Varchow. Über drei Tage bis zum heutigen Freitag streckt sich nun das Löschen und Brandwachehalten auf zwei Feldflächen. Es ist der bisher längste Einsatz für die Möllenhagener Wehr. Ungefähr 3000 Strohballen hatten am Mittwochnachmittag Feuer gefangen. Sieben Feuerwehren mit insgesamt 103 Brandbekämpfern brachten den Großbrand nach zweieinhalb Stunden unter Kontrolle. Dafür wurden laut Einsatzleiter Enrico Hinz, Chef der Freiwilligen Feuerwehr Möllenhagen, mindestens 750 000 Liter Löschwasser benötigt. Ebenfalls im sechsstelligen Bereich liegt der Schaden: Er wird auf rund 200 000 Euro geschätzt.
Als sich der Nordkurier gestern über die Lage am Brandort einen Überblick verschaffte, hatte Johannes Korn von der Führungsgruppe der Feuerwehr des Amtes Penzliner Land die Einsatzleitung übernommen. Er teilte sich den Job mit Enrico Hinz, der erst am Donnerstagmorgen abgelöst wurde. So führte also Johannes Korn entlang der Ascheseen und -hügel an der Straße nach Bredenfelden. Das, was ruhig vor sich hinzuglimmen scheint, ist noch sehr gefährlich.
Denn während das Weizenstroh oben bereits verbrannt ist, findet das Feuer im verborgenen Inneren noch Nahrung. Das dicht gepresste Stroh bietet für die Flammen immer noch „Futter“. Um diese Glutnester auszulöschen, setzen die Feuerwehrkameraden auf die Hilfe eines Radladers. Dieser zieht die Strohballenreste mit einer Schaufel auseinander und wendet sie. Zutage treten größere Flammen.
Einsatzkräfte kühlen das Fahrzeug immer wieder mit Löschwasser. Immerhin soll dieses nicht auch noch Feuer fangen. Hinter dem Lenkrad sitzt Sören Limpächer, ein Strohhändler. Er hatte die 3000 Ballen auf den Feldern gelagert. Gedacht waren sie für Kuhställe im Landkreis.
Gerade in Anbetracht der zurückliegenden Trockenheit mit über Monate fehlenden Regentagen seien die in Flammen aufgegangenen Strohmieten eine Katastrophe, sagt er. Limpächer hat bei der Polizei Anzeige gegen unbekannt erstattet. Während dort die Ermittlungen zur Brandursache laufen, schließt der Strohhändler eine Selbstentzündung aus. Das einzige Stroh, das sich selbst entzünden könne, sei Gerstenstroh. „Entzünden kann es sich nur, wenn es zu nass gepresst wird“, sagt er. Für die verbrannten Strohmieten komme das wegen der langen Trockenheit nicht in Frage. Vielmehr sieht er Brandstifter am Werk.
In punkto abbrennende Strohballen hat Sören Limpächer bereits eine ähnliche Negativerfahrung gemacht: Vor zwei Jahren brannten bereits Ballen in Wrodow und Carlsruhe ab. Der Schaden damals war ähnlich groß..
Durch die grauen Teppiche aus Asche ist die Straße in den Nachbarort Bredenfelde gesperrt. Vorausichtlich, so Einsatzleiter Hinz, noch bis zum heutigen Freitag gegen 10 Uhr. Dann soll sie für den Verkehr wieder freigegeben werden.

Dienstende erst nach 26 Stunden Einsatz
Am Mittwoch um 15.30 Uhr waren die Möllenhagener, Lehstener und Feuerwehrleute aus Kraase alarmiert worden. Seit diesem Zeitpunkt ist auch der Möllenhagener Feuerwehrmann Jan Hellwig auf den Beinen. Er ist verantwortlich für die Wasserversorgung, die über Strahlrohre organisiert ist. Der junge Feuerwehrmann wirkte am Donnerstag augenscheinlich nicht müde, dafür hoch motiviert, seine Brandwache bis Donnerstag 17 Uhr fortzusetzen.
Ermüdungserscheinungen? Natürlich, nickt er. „Vor allem in der Nacht gegen vier Uhr war es schwierig, wach zu bleiben“, erzählt er nach einem Frühstück nahe einer Kornhalle. Mögliche Gefahren, wie ein Übergreifen der Flammen auf die Bäume oder die wenige Meter entfernte Kornhalle, seien Hellwigs Antrieb gewesen, die ganze Nacht durchzuarbeiten. Als Hellwig seinen Dienst beendet, liegen 26 Stunden Einsatz hinter ihm. Keine Selbstverständlichkeit. Auch für Einsatzleiter Hinz nicht, der stolz auf die reibungslose Zusammenarbeit der Wehren ist – dazu gehören Marihn, Groß Vielen, Klein Lukow und die Führungsgruppe des Amtes Penzliner Land.
Zu den Herausforderungen zählte die enorme Hitzestrahlung samt Funkenflug. Mit „Wasserfächern“ wurden Straße, Büsche und Bäume gekühlt. Das Schwierigste war die Löschwasserversorgung. Denn der Löschteich Groß Varchow mit 65 000 Litern war nach zwei Stunden leer. Zwei Gülletanker mussten daher im Wechsel 35 000 Liter zum Löschteich bringen.

28.09.2018 
Quelle: Nordkurier 

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