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16.03.2017

Fällt morgen Urteil im Fall Sarah H.?

Am Freitag wird das Urteil in einem der spektakulärsten Fälle der jüngeren Vergangenheit erwartet. Einem 51-Jährigen aus Alt Rehse wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Er soll im Juni 2016 seine Lebensgefährtin Sarah H. gefesselt und zu Tode gepeitscht haben. Ihre stark verweste Leiche wurde zwei Monate nach der Tat gefunden. Der vierte Prozesstag beginnt um 9 Uhr am Landgericht Neubrandenburg. Was dort bisher geschah.

1. Prozesstag, 25. Januar:

Er vertraue seinem Rechtsanwalt. Mehr ist von Axel-Ingo G. am ersten Prozesstag vor dem Landgericht Neubrandenburg nicht zu hören. Der unscheinbare, bieder wirkende Mann im grauen Pullover, dem die Staatsanwaltschaft im Fall Sarah H. Freiheitsberaubung und Körperverletzung mit Todesfolge vorwirft, hüllt sich in Schweigen.
Dafür spricht ein Kriminalhauptkommissar, der mit einem Kollegen die Befragung des Angeklagten am 10. August durchführte. „Er war der Meinung, dass Sarah H. auf ihn angesetzt worden war, ihn aushorchen und ausspionieren sollte und dass der Auftraggeber der Bundesnachrichtendienst wäre”, so der Zeuge. Zudem habe Axel-Ingo G. das Opfer beschuldigt, seine Brillen und Schlüssel geklaut zu haben.
Der Beamte skizziert das Martyrium, das Sarah H. durchlebt haben muss, als der Angeklagte sie nackt mit den Händen ans Bett fesselte, ihre Haare festband und mit einer selbst gebauten Peitsche samt Lederfransen auf ihren ganzen Körper einschlug. Später habe er die Tote in Decken, Plastiksäcke, Folien und Isomatten eingewickelt und auf einer Sackkarre festgebunden. Details zum vorgefundenen Zustand von Sarah H. führt ein sachverständiger Gerichtsmediziner aus.

2. Prozesstag, 13. Februar:

Paukenschlag zu Beginn: Der Angeklagte fordert, dass sein Pflichtverteidiger Henning Köhler abberufen werden soll. Er habe kein Vertrauen mehr zu ihm. Er begründet dies mit „der Hetze, die über die Medien läuft”. Die Öffentlichkeit ist während der Anhörung des Antrages vom Prozess ausgeschlossen.
Henning Köhler war laut Richter Kabisch mit einem befreundeten Journalisten im Haus des in U-Haft sitzenden Angeklagten gewesen. Bildaufnahmen des Reporters seien öffentlich geworden, einige TV-Berichte hätten „chaotische Zustände gezeigt”. Obwohl auch der Verteidiger das Vertrauensverhältnis zu seinem Mandanten als „erschüttert” wertet, weil er nichts von dem Antrag wusste, lehnt der Richter den Antrag ab.
Ein Polizist bestätigt indes, dass der 51-jährige Axel-Ingo G. kurz nach seiner Festnahme ein Geständnis abgelegt hat. Dies haben damit zwei Beamte unabhängig voneinander vor Gericht bestätigt. Bei seiner Vernehmung hätte der Angeklagte erklärt, dass er Sarah H. seinerzeit gefesselt und etwa zwei Stunden lang mit einer selbst gebauten Peitsche samt Lederfransen traktiert und auf ihren ganzen Körper eingedroschen habe.
Der Vertreter der Nebenkläger, Damian Hötger, erklärt, dem Opfer ohne Zäsur die Bitte um Trinken zu versagen, sei Totschlag wegen Unterlassung. Er beantragt eine entsprechende Verurteilung. Hötger vertritt den pflegebedürftigen Vater des Opfers.

3. Prozesstag, 1. März:

Forensikerin Dr. Peggi Grüneberg äußert sich zu Axel-Ingo G. - und muss vage bleiben, weil der Angeklagte der psychiatrischen Gutachterin ein Gespräch verwehrt. „Es ist für mich sehr schwer, eine brauchbare Diagnose zu stellen, wenn ich nicht viele Grundlagen dafür habe”, so die Expertin.
Die fehlen auch Richter Klaus Kabisch zum Auftakt der Zeugenaussagen. Die geladene Notärztin ist nicht erschienen. Sie hatte dem Angeklagten am Tag der Verhaftung Beruhigungsmittel gegeben. Die Medizinerin sollte das Gericht aufklären, ob die Medikamente den Mann derart beeinflusst haben könnten, dass sein Geständnis bei der ersten Vernehmung nach der Festnahme möglicherweise nichtig ist.
Immerhin: Ein Gefängniswärter ist anwesend und berichtet von einem bizarren Geständnis des Angeklagten ihm gegenüber: „Er hat mir in der Justizvollzugsanstalt erzählt, er habe sie gefesselt und gepeitscht.” Erst habe er gedacht, dass er sich quasi einen „erotischen Unfall” anhören müsse, aber rasch gemerkt, dass mehr dahinter stecke. Als Sarah H. in Ohnmacht fiel, will der Angeklagte sie einmal wiederbelebt haben, zitiert ihn der Zeuge aus dem Gespräch in der U-Haft.
An diesem Prozesstag hat Axel-Ingo G. viel Redebedarf. So fordert er erneut die Abberufung seines Verteidigers, weil das Vertrauensverhältnis gestört sei. Schließlich erklärt er Richter Klaus Kabisch für befangen.

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f.ferber@nordkurier.de

16.03.2017 
Quelle: Nordkurier 

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