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17.04.2018

Es läuft in Carlstein

Die Chance, ein Stück Carlstein unter seinen Füßen zu haben, ist sehr groß. Denn in einem alten Speicher werden Rohlinge für orthopädische Einlagen entwickelt. Noch wird im Ausland produziert. Aber schon bald ist Carlstein nicht nur die Ideenwerkstatt.

Carlstein. Vielleicht gehören auch Sie zu den Menschen, die der kleine Ort Carlstein auf Schritt und Tritt verfolgt. Wahrscheinlich wissen Sie das gar nicht. Schauen Sie mal in Ihren Schuh. Dort steckt eventuell ein Stück Carlstein drin. Denn hinter den Backsteinwänden des alten Kornspeichers in Carlstein, wo früher Kühe, Pferde und Getreide untergebracht waren, verbirgt sich eine äußerst interessante Firma, die orthopädische Einlagen-Rohlinge herstellt.
„Wir produzieren momentan noch in Polen und Tschechien. Hier in Carlstein ist die Ideenschmiede“, sagt Jörg Münnich. Der Indus-triekaufmann hat zuvor bei einem großen Lebensmittelhersteller der Region gearbeitet, bevor er nach Carlstein wechselte, um aus einem kleinen Handwerksbetrieb einen Industriebetrieb zu formen.
Wie viele Rohlinge für Sanitätshäuser, Orthopädieschuhmacher und Zwischenhändler hergestellt werden, ist Betriebsgeheimnis. Aber es läuft gut mit den Sohlen, denn jährlich werden allein in Deutschland 5 Millionen Rezepte für Einlegesohlen ausgestellt. Der Knick-Senk-Spreizfuß, oder auch Plattfuß genannt, ist eine Volkskrankheit und in Carlstein findet man Lösungen für schmerzfreies Stehen und Gehen.
„Unsere Stärke ist die Individualität. Anders als die ganz großen der Branche stellen wir auch kleine Mengen her“, sagt Produktionsleiter Jörg Münnich. Wöchentlich pendelt er zu den Produktionsstandorten in Polen und Tschechien. Bereits 2019 soll die Produktion der Rohlinge aber nach Carlstein verlegt werden. Dann spart Münnich Zeit und es sollen vor Ort neue Arbeitsplätze entstehen.
Der erste Schritt in der Produktion findet stets auf dem Papier statt, per Hand von Steffen Michaels. Der gebürtige Penzliner hat das Orthopädieschuhtechniker-Handwerk in Ohrdruf bei Oberhof gelernt und die Firma in Carlstein aufgebaut. Zur Michaels Group gehören mittlerweile vier Unternehmen, die von Roxana Michaels geleitet werden. Die Verwaltung der Firmen sitzt in Neubrandenburg.
Carlstein ist das, was man neudeutsch „Thinktank“, also Denkfabrik nennt. Hier wird getüftelt. Und je nach Anforderung gibt es unzählige Modelle. „Nehmen wir doch die Radfahrer von Detlef Koepke als Beispiel. Die haben eine Belastung auf dem vorderen Drittel des Fußes. Dafür gibt es besondere Einlagen, die das berücksichtigen“, sagt Steffen Michaels.
Weil eine Tänzerin den Fuß anders beansprucht als ein Jogger, gibt es auch andere Einlegesohlen, die den Fuß unterstützen. Das Prinzip sei aber stets das gleiche. Jörg Münnich stellt im Grunde zwei Typen von Rohlingen her, nämlich Weichschaumeinlagen und Kopieeinlagen. Die variieren aber in Farbe, Dicke und Härte des Materials. Die Rohlinge müssen dann durch einen Orthopäden an den Fuß angepasst und in den Schuh eingepasst werden. Los geht es bei Schuhgröße 19 und endet bei Schuhgröße 50.
„Wir laufen uns die Füße kaputt. Normalerweise sollte man mindestens zwei paar Schuhe haben und diese täglich wechseln. Damit hat der Fuß jeden Tag eine andere Laufweise“, sagt Jörg Münnich. In Carlstein werden auch Laufsohlen entwickelt für einen bekannten deutschen Sportschuhhersteller, der vor allem Marathonläufer ausstattet. An die große Glocke wird das nicht gehängt. Wie auch? Wer sich in der Abgeschiedenheit Carlsteins versteckt, ist auf leisen Sohlen unterwegs.

17.04.2018 
Quelle: Nordkurier 

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