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27.02.2017

Der Fall Sarah H.: Zwei ungleiche Außenseiter, ein dramatisches Ende

Wer ist dieser Mann, Axel-Ingo G.? Und was genau geschah mit Sarah H. in seinem Haus in Alt Rehse? Für die Ermittler soll der Fall bald gelöst sein. Am Mittwoch wird das Urteil erwartet. Doch das Opfer hatte auch eine Geschichte.

Alt Rehse/Neubrandenburg. „Ohne Liebe geh‘ ich tot“. Worte, die Sarah H. ihrem Tagebuch anvertraut. Seit Teenagertagen sind die Zeilen in den persönlichen Jahrbücher ihr mehr als ihr die Menschen in ihrem Umfeld entgegen brachten. Freunde hatte sie keine, schreibt sie, wie unter anderem jüngst in einem TV-Bericht gezeigt wird. Verstörende Bilder eines Hauses, das kurz ein Zuhause für das ungleiche Paar Sarah H. und Axel-Ingo G. ist.
Die Kamera hält auf Müll, Unrat, kein Fleck scheint halbwegs bewohnbar. Während Axel-Ingo G. dort so haust und mit seinem Trompetenspiel zu allen Tag- und Nachtzeiten die Dörfler in den Wahnsinn treibt, ist seine Lebensgefährtin lange tot. Ihre Leiche wird erst sechs Wochen später nahezu verwest im Bad des Hauses entdeckt. Auf der Suche nach Liebe ist Sarah H. vermutlich demjenigen in die Arme gelaufen, der sie umbrachte.
Seit dem 9. August, dem Fundtag der Leiche, sitzt Axel-Ingo G. in Untersuchungshaft. Einem ersten Geständnis kurz nach der Festnahme folgt Schweigen vorm Richter. Zwei Prozesstage am Landgericht Neubrandenburg bringen dennoch viel Licht in jene Stunden, die der 32-Jährigen auf grausame Weise den Tod bringen. Zwei Stunden prügelt der 51-Jährige mit einer selbst gebauten Lederpeitsche auf die nackte gefesselte Frau ein. Sie habe ihn verraten, sei vom BND und habe ihn bestohlen, das habe er bestrafen müssen.
Verfolgungswahn konstatiert man ihm im Dorf, in der Hoffnung, „dass er nie mehr zurück kommt.“ Auch im Prozess wird der Angeklagte psychiatrisch begutachtet, verweigert aber ein Gespräch mit einer Forensikerin. Vor Gericht zeigt sich Axel-Ingo G. eloquent und durchaus in der Lage, sich selbst zu verteidigen, wie ihm der Richter bescheinigt. Nachdem sein Pflichtverteidiger laut Richter mit befreundeten Journalisten in dem Wohnhaus in Alt Rehse ist und offenbar Aufnahmen und Fotos duldet, die das in Deutschland große Medieninteresse befeuern, sieht er das Vertrauensverhältnis erschüttert, will den Verteidiger abberufen lassen. Doch der Richter lehnt ab.
Für Axel-Ingo G. ist nichts mehr wie es war als ihn vor Jahren seine Ehefrau verlässt und er mit dem Haus allein da steht. „Das hat ihm den Boden unter den Füßen weg gerissen“, sagt man im Dorf. Doch Hilfe will er nicht. Zieht sich als Reichsbürger, der den deutschen Staat nicht anerkennt, mehr und mehr in seine Welt zurück, gilt im Dorf als verwirrt und unberechenbar.
Viel besser wird es auch nicht als er via Internet Sarah H. kennenlernt, eine junge Frau von 32 Jahren, auf der Suche nach Liebe. Aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein, sei sie immer mehr zur Außenseiterin geworden. Soll sich zurück gezogen haben mit ihren geliebten Barbies, mit denen sie Familienleben und Geborgenheit inszenierte, die sie nie hatte. Von Mobbing in der Schule, ihrer Einsamkeit im Hilfsjob, ihren Sehnsüchten erzählt die in ihrem Umfeld als nicht besonders klug und attraktiv geltende Frau nur ihren Puppen und ihrem Tagebuch.
Parallelen von Lebensansichten? Er mag ihr Spiel auf der Gitarre. Sie kehrt auch nach der Flucht aus dem Frauenhaus zu ihm zurück. Auf der inzwischen gelöschten Facebook-Seite des Computerfachmannes waren beide zu sehen, oft aber auch G. allein mit seinen zum Teil kruden Äußerungen. Wer ist dieser Mann und was könnte ihn zu so einer Tat getrieben haben? Darauf muss das Gericht Antworten finden.
Am dritten Prozesstag, am Mittwoch, 1. März, 10 Uhr, vorm Landgericht Neubrandenburg sollen zwei weitere Zeugen und die Notärztin gehört werden, die am Tag der Festnahme von Axel-Ingo G. in Alt Rehse war. Ihm drohen bis zu 15 Jahren Haft.
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c.goels@nordkurier.de

27.02.2017 
Quelle: Nordkurier 

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