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Blick auf Penzlin vom Mühlenberg Spiegelung
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16.03.2017

Am Wall gibt es schon lange kein Schloss mehr

Bauplätze sind knapp in Penzlin. Darum geht es leer stehenden Häusern an den Kragen. Durch Lückenbebauung entsteht Neues in der Kleinstadt. Dass damit auch ein Stück regionaler Historie wegradiert wird, bleibt nicht aus.

Penzlin. Platt gemacht ist das Haus in der Warener Straße, das vor Jahren die einzige Drogerie in Penzlin beherbergte. Aber auch am Wall waren die Bagger am Werk, um Baufreiheit für Neues zu schaffen. Hier stand einmal das Restaurant „Wallschlößchen“, das 1899 von Heinrich Harfert eröffnet wurde. Mit Mauersteinen aus der Penzliner Ziegelei hatte es die Firma Brunckow erbaut. Zur Gaststätte mit Wohntrakt gehörten ein kleiner und ein großer Saal. In Nähe der Wallanlagen sowie an der Seepromenade gelegen, kehrten die Sommerfrischler hier immer gern ein. Auch eine Kegelbahn soll es in diesem Haus gegeben haben.
„Hier spielte sich vielfach das gesellschaftliche Leben der Stadt ab mit Vereinsfesten, Theatervorstellungen und Tanzveranstaltungen“, weiß Hildtraud Fischer zu berichten, die von ihrem Fenster aus in der Neuen Straße den Abriss des alten Hauses beobachten konnte. Da sie sich für die Stadtgeschichte interessiert, gibt es bei ihr auch einen speziellen Ordner mit Fotos und Zeitungsausschnitten zum „Wallschlößchen“. Vor der Bebauung weilte Bürgermeister Otto Piper (1841-1921) oftmals auf dem Grundstück am Wall 5. Hatte er doch hier eine Gartenparzelle erworben, die eine große Bereicherung für die ganze Familie darstellte. Bei einem späteren Besuch so um 1901 war die Enttäuschung von Sohn Reinhard Piper – Begründer des Piper-Verlages in München - groß. Denn in den ehemaligen Garten der Eltern hatte man „ein großes Haus“ hineingebaut. Innerhalb der Wallschlößchen-Wände wurde später Geschichte geschrieben. So gründete Lehrer und Kantor August Oldach hier 1907 zusammen mit 14 Sangesfreudigen den Penzliner Männerchor, der in diesem Jahr sein 110. Stiftungsfest begeht. Neben der Pflege des deutschen Volksliedes organisierten die Chormänner auch Faschingsveranstaltungen und machten Theater.
Aber auch ergreifende Momente spielten sich im „Wallschlößchen“ ab. So erinnern Kurt Köhn und Wolfgang Fuhrmann in ihrem Bildband „Penzlin mien Punschendörp“ an die Trauerfeier für Bürgermeister Wilhelm Scharff, der 1946 während einer Einwohnerversammlung verstorben war. Zur Geschichte des gastlichen Hauses am Penzliner Wall gehören auch die Kinoabende mit Filmvorführer Willi Bröhl, die es bis in die 70er Jahre gegeben hat. 280 Plätze standen im großen Saal für die Penzliner zur Verfügung, ausverkaufte Vorstellungen waren keine Ausnahme.
Wie von Hildtraud Fischer zu erfahren war, verpachtete die Familie Harfert später das Haus. Sogar Sportunterricht soll es im großen Saal gegeben haben. In den 90er Jahren war das „Wallschlößchen“ Treff für viele Vereine. So lud der Kulturverein regelmäßig zu Ausstellungen ein. Unter Regie des Theaters Neustrelitz gab es so manches Konzert. Ab 1997 zog Ruhe ein in das Restaurant und der große Verfall des Hauses begann. Heute ist nichts mehr übrig von diesem Stück Stadtgeschichte, das sich eben nur noch in Bildbänden nachlesen lässt.
Kontakt zur Autorin
m.jacobs@nordkurier.de

16.03.2017 
Quelle: Nordkurier 

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