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11.10.2018

Überversorgt – trotzdem Angst vor einer Lücke

Der Landkreis Seenplatte steht in punkto Zahnarztversorgung glänzend da: Mit 111 Prozent ist der Kreis überversorgt. Trotzdem macht sich der Penzliner Bürgermeister Sorgen – und zwar nicht unberechtigt.

Penzlin/Waren. Ärztemangel in kleineren Kommunen? Ein bekanntes Problem. Dem möchte der Penzliner Bürgermeister Sven Flechner (WPL) entgegenwirken. Öffentlich äußert er seine Angst, dass es ab 2019 zu einem Mangel in der Zahnarztversorgung für die Penzliner kommen könnte.
Schließlich geht Sigrit Noak mit 69 Jahren zum Jahresende in den Ruhestand. Mit dazu ihre angestellte Zahnarztkollegin. Die freiwerdenden Praxisräume seien bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung des Landes bereits gemeldet. Ob sich ein Nachfolger für die Einheit in Noaks Eigenheim findet, bleibt offen. Die Konsequenz: Aus drei wird eine. Übrig bleibt Ute Blohm mit ihrer Praxis in der Stadt. Flechner befürchtet, die Verbleibende könnte nicht alle Zähne in der Kommune versorgen. Allein in Penzlin wären das nach Angaben des Einwohnermeldeamtes 2289 Bürger (Stand: 9. Oktober); im gesamten Amt Penzliner Land 6806.
Kommt es mit dem Ruhestand zu einem Einschnitt für die älteren Einwohner, die nicht (selbständig) oder nur umständlich auf Dentalmediziner in Möllenhagen, Neubrandenburg oder noch weiter weg ausweichen können?
Im Bundesdurchschnitt betreut ein Zahnarzt rund 1000 Patienten, erklärt Dietmar Oesterreich. Er ist der Präsident der Zahnärztekammer MV. Auf Nachfrage des Nordkurier spricht Ute Blohm aus Penzlin von rund 2000 Patienten, die sie derzeit betreue. Ein Patientenansturm durch die bevorstehende Praxisschließung der Kollegin sei bisher ausgeblieben. Daher warnt sie auch vor Panikmache. Vereinzelte Klienten hätten sie bereits angesprochen, aber kein Gros. Von keinem sei sie aber bisher auf einen befürchteten Engpass in der Zahnarztversorgung angesprochen worden.
Schmerzpatienten bekämen nach jetzigem Stand ohnehin einen Termin bei ihr. Bis zum Jahresende möchte die Ärztin die Entwicklung der Patientenströme abwarten, um ein Urteil über eine günstige oder ungünstige Verteilung zu fällen. Im Gegensatz dazu möchte B
lohm Kontakte zur Universität Greifswald aktivieren. Von dort sei vielleicht ein praktizierender Jungmediziner für die Stadt zu begeistern. Damit holt sich Ute Blohm aus Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen ihre „eigene Konkurrenz“ in den Ort. Aber: Gehe es um das Wohl der Patienten, dürfe sich nicht alles auf Wirtschaftlichkeit fokussieren.
Was könnten kleine Kommunen tun, um attraktiv für Jungärzte zu sein? Vielleicht ein gesicherter Kita-Platz? Gute Räumlichkeiten? Entgegenkommen bei der Praxismiete? Bei Penzlins Bürgermeister Sven Flechner rattert das Gedankenkarussell. Er persönlich stellt sich vor, im angedachten Kompetenzzentrum für ältere Menschen kommunale Räume für eine Arztansiedlung zur Verfügung zu stellen. Verschlechtere sich die Zahnarztversorgung im Penzliner Bereich zusehends, soll die gesamte Stadtvertretung mit in den Ideenfindungsprozess einbezogen werden.
Während Penzlin ein wenig zittert, sehen die Zahlen zur Zahnarztversorgung im Landkreis Seenplatte mehr als prächtig aus: Mit 111 Prozent sei der Kreis überversorgt, meldet Antje Künzel von der Kassenzahnärztlichen Vereinigung MV. Das Problem: Die Überversorgung wird wohl mehr und mehr zum Privileg für die Städter. Denn, wo sich ein Zahnarzt ansiedelt, obliegt allein seiner Entscheidung. Eine Regulierung im Sinne einer Obergrenze für einen Bereich gibt es nicht. Heißt: Selbst wenn sich kein Zahnarzt mehr in Penzlin niederlässt, dafür aber gleichzeitig drei in Waren, treibt das lediglich den errechneten Versorgungsgrad in die Höhe.
Apropos Waren: Hier kümmern sich derzeit 22 Zahnärzte um 21 270 Bürger. Rein rechnerisch würde jeder Mediziner rund 967 Patienten (aus der Stadt) betreuen. Im Amt Röbel/Müritz leben 14 499 Einwohner – sie haben die Auswahl unter acht Zahnärzten allein in Röbel und einem in Rechlin. Im Amt Malchow versorgen sieben Mediziner 10 861 Einwohner.
„Langfristig müssen die Patienten weitere Entfernungen zu den Zahnärzten in Kauf nehmen“, prophezeit Oesterreich. Von den 178 Praxisinhabern seien laut Kammer 49 älter als 60 Jahre. Folglich werden laut Kammerpräsident Oesterreich rund 30 Prozent in fünf Jahren wohl nicht mehr tätig sein.

11.10.2018 
Quelle: Nordkurier 

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